Telegram-Phishing: Der neue Hotspot für Betrüger

Lana Kuzmina
December 10, 2025
Threat Intelligence
4 mins

In der sich ständig wandelnden Landschaft der Cyberkriminalität passen sich Angreifende schnell an und nutzen Plattformen, die Tempo, Anonymität und große Reichweite bieten.

E-Mail und SMS bleiben zwar Standardkanäle, doch Instant-Messaging-Plattformen haben sich zunehmend zu einem fruchtbaren Boden für kriminelle Aktivitäten entwickelt.

In den vergangenen Jahren hat Telegram, bekannt für verschlüsselte Nachrichten und seine Kanalfunktion, einen deutlichen Anstieg der Nutzung durch Phisher und Betrüger erlebt – und das verändert grundlegend, wie diese betrügerischen Operationen organisiert und durchgeführt werden.

Vom sicheren Chat zur Drehscheibe der Cyberkriminalität

Die Kernfunktionen von Telegram - Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, geheime Chats, reichweitenstarke Kanäle und anonyme Bot-Funktionen - wurden entwickelt, um Privatsphäre und Kommunikationsfreiheit in den Vordergrund zu stellen.

Ironischerweise bieten genau diese Funktionen Angreifenden ein ideales Arbeitsumfeld.

Unterstützung des gesamten Phishing-Lebenszyklus

Telegram wird heute über das gesamte Spektrum von Phishing- und Betrugskampagnen hinweg eingesetzt:

1. Command and Control (C2)

Große, private Telegram-Kanäle und -Gruppen dienen Cyberkriminellen als Marktplätze und Kommunikationsknoten.

Dort werden gestohlene Zugangsdaten, Phishing-Kits, Exploit-Werkzeuge und Zugänge zu kompromittierten Systemen gekauft, verkauft und getauscht. Diese Infrastruktur ermöglicht verteilten kriminellen Gruppen schnelle Kommunikation und Koordination und erschwert es Strafverfolgungsbehörden, solche Operationen zu überwachen oder zu zerschlagen.

2. Der Aufstieg von Phishing-as-a-Service (PhaaS)

Die Plattform ist ein bedeutender Brutkasten für Phishing-as-a-Service-Angebote (PhaaS).

Betrüger können dort mühelos Komplettpakete erwerben: vorgefertigte Phishing-Seiten, automatisierte Nachrichten-Bots und Skripte, die Zugangsdaten von Opfern abgreifen. Das senkt die Einstiegshürde für unerfahrene Kriminelle drastisch.

3. Zustellweg für Betrugsmaschen

Telegram dient längst nicht mehr nur der Organisation von Betrugsmaschen, sondern zunehmend auch als direkter Zustellweg.

Betrüger nutzen die Plattform, um:

  • Support-Mitarbeitende zu imitieren: Sie richten gefälschte Kundenservice-Konten großer Banken, Krypto-Börsen oder Tech-Unternehmen ein und ködern Opfer mit dringenden Support-Anfragen.
  • Krypto-Betrug zu betreiben: aufwendige Investmentmaschen, gefälschte Initial Coin Offerings (ICOs) und „Pump-and-Dump“-Gruppen, die häufig auf Menschen mit Interesse am volatilen Kryptomarkt zielen.
  • Schadsoftware zu verbreiten: Über Bots und Dateifreigaben verteilen sie schädliche Dateien, getarnt als legitime Software-Updates, Dokumente oder Apps.

Zentrale Taktiken von Betrügern auf Telegram

Taktik Beschreibung Auswirkung
Identitätsfälschende Bots Automatisierte Konten, die legitime Dienste oder prominente Persönlichkeiten imitieren, um Geld oder persönliche Daten zu erschleichen. Massenhafte Verbreitung betrügerischer Nachrichten bei gleichzeitig erhöhter wahrgenommener Glaubwürdigkeit.
Gefälschte Investmentgruppen Kanäle werben mit unrealistischen Renditen, insbesondere bei Kryptowährungen, und führen bei Teilnehmenden zu massiven finanziellen Verlusten. Ausnutzung des weltweiten Interesses an digitalen Assets durch Social Engineering im großen Stil.
Romance-Scams & Vertrauensaufbau Betrüger bauen über Direktnachrichten emotionale Beziehungen auf und gewinnen über Wochen oder Monate Vertrauen, bevor sie Geld, Investitionen oder persönliche Informationen verlangen. Schwere emotionale Belastung und erhebliche private Vermögensverluste. Manipuliertes Vertrauen bringt Opfer häufig dazu, sensible Daten preiszugeben oder große Summen zu überweisen.

Beispiel: Die „Booking.com-Nebenjob“-Masche

Ein konkretes Beispiel ist die „Booking.com-Nebenjob“-Masche, die sich über Telegram verbreitet.

Sie werden aus dem Nichts kontaktiert und erhalten das Angebot, einfache Remote-Aufgaben für eine „Hotelbuchungsplattform“ zu erledigen, etwa Reservierungen oder Bewertungen zu optimieren. Die Bezahlung klingt großartig für gerade einmal eine Stunde Arbeit am Tag, und Sie landen rasch in einem Gruppenchat mit einem „Mentor“ und gefälschten Teilnehmenden, die Screenshots hoher Tageseinnahmen posten.

Zum Einstieg sollen Sie sich auf einer professionell wirkenden Seite im Booking-Design registrieren und Ihr Konto anschließend „aufladen“, meist per Krypto, damit es ein positives Guthaben aufweist. Nach ein paar Schein-„Buchungsaufgaben“ zeigt Ihr Dashboard steigende Provisionen an und erlaubt oft sogar eine kleine Auszahlung – was viele Menschen von der Seriosität überzeugt.

Sobald Sie angebissen haben, schnappt die Falle zu.

Plötzlich weist Ihr Konto ein negatives Guthaben oder „gesperrte“ Provisionen aus. Der Support besteht darauf, dass Sie mehr einzahlen müssen, um das zu beheben, Gewinne freizuschalten oder Gebühren und Steuern zu begleichen – und jede Zahlung schaltet nur eine neue erfundene Bedingung frei.

Am Ende gibt es keinen Job und keine Partnerschaft mit Booking.com.

Nur eine gefälschte Plattform, die darauf ausgelegt ist, Sie so lange zahlen zu lassen, bis Sie aufgeben.

So wehren Sie Telegram-basierte Bedrohungen ab

Die Sicherheitsfunktionen von Telegram sind für legitime Nutzende robust, doch das Umfeld verlangt Wachsamkeit.

Unternehmen und Privatpersonen sollten mehrschichtige Schutzmaßnahmen umsetzen:

  • Schulung der Nutzenden: kontinuierliches Training im Erkennen von Social-Engineering-Taktiken, insbesondere solcher, die mit Dringlichkeit oder hohen Renditeversprechen arbeiten. Verifizieren Sie die Identität jedes Kontos, das Sie kontaktiert, auch wenn es offiziell wirkt.
  • Offizielle Verifizierung: Rufen Sie offizielle Websites oder Apps immer direkt auf, statt Links aus einem Chat anzuklicken, und achten Sie, wo verfügbar, auf offizielle Verifizierungsabzeichen.

Die Verlagerung krimineller Aktivitäten auf Telegram zeigt eine zentrale Herausforderung: Mit der Kommunikationstechnologie entwickeln sich auch die Methoden derer weiter, die sie ausnutzen wollen.

Der Nutzen der Plattform für die Privatsphäre macht sie zu einem zweischneidigen Schwert, das auf absehbare Zeit zentral für Cyberkriminalität bleiben dürfte.

Wie revel8 Unternehmen vor Telegram-Phishing schützt

Da Betrugsmaschen längst über E-Mail hinaus in Messenger-Apps, Telefonanrufe und Deepfake-Köder wandern, brauchen Unternehmen Security Awareness, die echte Bedrohungen abbildet.

revel8 setzt genau hier an und entwickelt dynamische, sich stetig weiterentwickelnde Trainings auf Basis realen Angreiferverhaltens. Menschliches Risiko ist nicht statisch: Die Gefährdung hängt von der Rolle, dem öffentlichen Fußabdruck und dem jüngsten Verhalten ab.

revel8 personalisiert Simulationen mithilfe von OSINT und echten Bedrohungsdaten und hält die Übungen so kontextbezogen und realistisch.

Die Simulationen reichen inzwischen weit über E-Mail hinaus: Vishing, SMS, Köder über soziale Netzwerke und KI-generierte Deepfakes gehören dazu.

revel8 unterstützt jetzt auch Telegram für simuliertes Phishing und ermöglicht Unternehmen, Reaktionen auf Messenger-basierte Maschen wie betrügerische Jobangebote oder Versuche des Zugangsdatendiebstahls gefahrlos zu testen. Das Lernen ist adaptiv: Fehler lösen sofortiges, kontextbezogenes Feedback oder Microlearning aus. Bedrohungsmeldungen von Mitarbeitenden fließen zurück ins System und verbessern sowohl die Simulationen als auch die reale Abwehr.

Da sich Betrugsmaschen über Kanäle wie Telegram, WhatsApp, SMS oder Anrufe mit geklonten Stimmen ausbreiten, brauchen Unternehmen kontinuierliches, realistisches Training.

Die Einbindung von Telegram stellt sicher, dass Mitarbeitende überall dort vorbereitet sind, wo Angreifende zuschlagen, und hält die menschliche Firewall robust gegenüber modernen Social-Engineering-Bedrohungen.

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