Wie Ibrahim Memis die Zukunft der Cybersicherheit gestaltet – und sie wieder menschlich macht

Bei der BEUMER Group fristet Cybersicherheit kein Schattendasein als isolierte Supportfunktion – sie sitzt mit am Tisch und ist strategische Partnerin des Geschäfts. Verantwortlich für diese Vision ist Ibrahim Memis, ein CISO, der praktische technische Expertise mit einem klaren Blick dafür verbindet, was Unternehmen wirklich sicher macht: Menschen, Klarheit und Kommunikation.
Mit Wurzeln in der Softwareentwicklung, Führungserfahrung bei Bosch und BEUMER und einer frischen Perspektive aus seinem MBA-Studium an der WHU bringt Ibrahim Tiefe und Antrieb in die Welt der Cybersicherheit. 2023 wurde er mit dem CIO Young Talent Award ausgezeichnet – ein Meilenstein, der nicht nur technische Exzellenz widerspiegelt, sondern eine neue Art von Führung: eine, die Relevanz über Buzzwords stellt und Kultur über Compliance.
Wir haben mit Ibrahim darüber gesprochen, warum kontextbezogene Awareness weiterhin zählt, was die meisten Unternehmen beim Thema KI falsch machen und wie sichtbare Security zu einem echten Business-Enabler wird.
Ibrahim, was hat Sie ursprünglich zur Cybersicherheit gebracht? Und was treibt Sie heute an?
„Systeme haben mich immer fasziniert – wie sie zusammenhängen, wie sie scheitern und wie sie sich absichern lassen. Ich habe im Software Engineering angefangen, aber ich habe früh gemerkt, dass mir reine Technik nicht genügt. Bei Cybersicherheit geht es genauso sehr um Menschen wie um Maschinen. Was mich heute antreibt, ist die Chance, wirklich etwas zu bewegen – nicht nur, indem ich Richtlinien festlege, sondern indem ich präge, wie Tausende Menschen über Sicherheit denken und handeln. Das ist eine enorme Verantwortung und eine enorme Chance.“
Was ist als CISO Ihre Philosophie, wenn es um den Aufbau von Awareness geht?
„Awareness ist und bleibt entscheidend. Aber generische Kampagnen reichen nicht mehr aus. Es braucht kluge, kontextbezogene Initiativen, die einzelne Rollen und Arbeitsumgebungen direkt ansprechen. Ingenieurinnen und Ingenieure brauchen eine andere Botschaft als HR oder Vertrieb. Wenn wir Awareness auf ihre reale Arbeitswelt zuschneiden, beginnen sie, sich einzubringen. Dann wird aus Awareness Verhalten – und genau darauf zielen wir ab.“
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KI wird zum Mainstream. Wie schätzen Sie ihre Auswirkungen auf die Cybersicherheit ein?
„KI ist mächtig, aber auch gefährlich, wenn sie unkontrolliert bleibt. Es geht nicht nur um externe Bedrohungen – es geht darum, wie wir KI intern einsetzen. Wenn wir sensible Daten ohne belastbare Leitplanken in KI-Tools geben, riskieren wir, das ‚Need-to-know‘-Prinzip zu verletzen und kritisches Wissen zu breit zu streuen. Die Technologie entwickelt sich schnell, aber unsere Governance muss sich schneller entwickeln. Für mich heißt das: Innovation mit Disziplin verbinden.“
Welchen Rat würden Sie anderen CISOs geben, die eine starke Sicherheitskultur aufbauen wollen?
„Bleiben Sie echt. Verzichten Sie auf Angstbotschaften und lange Richtlinien, die niemand liest. Kommen Sie ins Gespräch. Bauen Sie Brücken. Seien Sie präsent. Kultur entsteht nicht in einem PowerPoint-Deck – sie entsteht im Alltag. Wenn Ihre Leute Ihnen vertrauen, hören sie zu. Und wenn sie sich gesehen fühlen, ist es ihnen wichtig. Das ist das Fundament jedes sicheren Unternehmens.“
Wie stehen Sie zur Fixierung der Cybersecurity-Branche auf die neueste Technologie?
„Es gibt die Tendenz, jeder glänzenden neuen Lösung hinterherzulaufen. Aber ehrlich? Cyberhygiene entscheidet nach wie vor. Machen Sie die Grundlagen richtig – Patching, Schwachstellenmanagement, Endpoint-Härtung, ein solides SOC – und Sie sind bereits weiter als die meisten. Ich sage oft: Wir brauchen nicht mehr Tools, wir brauchen bessere Gewohnheiten. Und die entstehen durch Führung und Klarheit, nicht durch Komplexität.“
Wo sehen Sie heute das größte Risiko für Sicherheitsorganisationen mit hohem Reifegrad?
„Je ausgereifter die Abwehr nach außen ist, desto mehr werden Insider-Risiken zu einem echten Thema. Und ich meine damit nicht nur böswillige Insider. Oft ist es jemand mit Zugriff, der unwissentlich die falsche Entscheidung trifft. Deshalb setzen wir stark auf Kultur, Training und Sichtbarkeit, damit Menschen das ‚Warum‘ hinter den Regeln verstehen. Denn wenn sich Sicherheit wie die Aufgabe von jemand anderem anfühlt, fangen die Probleme an. Wir beobachten außerdem, dass die Security Awareness insgesamt gestiegen ist. Es ist längst kein reines Arbeitsplatzthema mehr, die Menschen denken auch privat darüber nach. Dieses breitere Bewusstsein erzeugt eine Dynamik, die wir nutzen können, und es macht Sicherheit relevanter und greifbarer.“
Sie haben vorhin Sichtbarkeit erwähnt. Warum ist sie für das Security-Team so wichtig?
„Weil Security keine Blackbox sein darf. Wenn Menschen nicht wissen, wer wir sind und was wir tun, kommen sie im entscheidenden Moment nicht zu uns. Kommunikation ist alles. Wir haben in der BEUMER Group hart daran gearbeitet, Cybersicherheit zu einer sichtbaren, ansprechbaren Funktion zu machen – sei es über Trainings, interne Kommunikation oder einfach dadurch, dass wir im Geschäft präsent sind. Vertrauen wächst über die Zeit, nicht in der Krise.“
Zum Schluss: Herzlichen Glückwunsch zum CIO Young Talent Award! Was hat Ihnen dieser Moment bedeutet?
„Der CIO Young Talent Award war ein zutiefst bedeutsamer Moment für mich. Es fühlte sich an wie eine Anerkennung nicht nur meiner Arbeit, sondern auch der Werte, an die ich glaube – nah am Geschäft zu bleiben, Menschen zu verstehen und mit Empathie zu führen. Er hat mich außerdem daran erinnert, warum ich diesen Weg gewählt habe: nicht nur, um Sicherheitsmaßnahmen umzusetzen, sondern um mitzugestalten, wie Organisationen denken und wachsen. Deshalb habe ich auch meinen MBA an der WHU begonnen – denn wirksame Führung bedeutet, genau wie wirksame Sicherheit, niemals stehenzubleiben. Ich bin den Mentoren, die mich unterstützt haben, sehr dankbar und ebenso der Kultur bei der BEUMER Group, die diese Art von Wachstum fördert.“





