Vom Ethical Hacker zum Co-Founder & CEO von Dawnguard: Mahdi Abdulrazak

Julius Muth
June 23, 2025
CISO Portraits
4 mins

Als Mahdi Abdulrazak mit 15 Jahren begann, Systeme zu hacken, ging es ihm nicht darum, etwas kaputtzumachen – er wollte verstehen, wie es funktioniert. Aus dieser frühen Neugier wurde eine Karriere von mehr als zwei Jahrzehnten an vorderster Front der Cybersicherheit. Heute ist er CEO und Co-Founder von Dawnguard und entwickelt dort Technologie, die Organisationen hilft, aufkommenden Bedrohungen einen Schritt voraus zu bleiben. Vor der Gründung von Dawnguard war Mahdi Group Information Security and Risk Officer bei SHV Energy und engagierte sich im weiteren Security-Ökosystem als Vorstandsmitglied der CISO Platform Nederland und als Botschafter der ECSO.

Für Mahdi ist Cybersicherheit längst mehr als eine technische Herausforderung – sie ist Führungsverantwortung, strategischer Vorteil und zunehmend auch eine gesellschaftliche Pflicht. Wir haben uns mit ihm zusammengesetzt, um die Denkweise und die Methoden hinter seinem Ansatz zu ergründen – und um zu erfahren, was es braucht, um in einer Zeit zu führen, die von Deepfakes, Cyberkriegsführung und wachsender Komplexität geprägt ist.

Was hat Sie auf Ihrem Weg vom Ethical Hacker über den globalen CISO bis zur Gründung des eigenen Unternehmens inspiriert – und was treibt Sie heute an?

„Mit 15 habe ich bereits Systeme erkundet und versucht zu verstehen, wie sie funktionieren und wo sie brechen. Diese Neugier hat mich nie verlassen. Verändert hat sich die Mission. Heute schütze ich nicht nur Infrastruktur, sondern Menschen, Unternehmen und ganze Gesellschaften vor den Folgewirkungen von Cyberbedrohungen. Cybersicherheit ist nicht einfach ein Beruf – sie ist eine gesellschaftliche Mission. Wenn wir unsere digitale Zukunft schützen wollen, müssen wir mit klarem Zweck führen und diese Verantwortung in jeder Ebene der Organisation verankern.“

Wie bewerten Sie die wachsenden Risiken durch Cyberkriegsführung und KI-getriebene Bedrohungen im heutigen Umfeld?

„Cyberkriegsführung ist inzwischen Realität. Angriffe zielen zunehmend auf kritische Infrastrukturen und Lieferketten – auf Systeme also, die Menschen unmittelbar betreffen. Gleichzeitig hat KI neue Risiken hervorgebracht: Deepfakes, synthetische Identitäten und adversariales maschinelles Lernen. Das ist längst nicht mehr theoretisch. Wir haben Finanzbetrug und Social-Engineering-Angriffe gesehen, die von diesen Technologien angetrieben werden. Wir müssen uns nicht nur auf intelligentere Angriffe vorbereiten, sondern auf ein grundlegend anderes Schlachtfeld.“

Angriffe werden immer ausgefeilter – wie bleiben Sie den Bedrohungen voraus?

„Man kann nicht verteidigen, was man nicht versteht. Deshalb ist eine hybride Strategie unverzichtbar: starke Verteidigung kombiniert mit kontrollierter Offensive. Man nutzt KI-gestützte Werkzeuge und Offensive Engineering, um wie Hacker zu denken, und priorisiert nach ‚Hackability‘ statt nur nach Schwachstellen-Scores. Wie würden Angreifende denken? Welche Wege würden sie ausnutzen? Diese Taktiken zu simulieren, deckt blinde Flecken auf und ermöglicht eine schnellere, klugere Behebung. KI hilft, diesen Aufwand zu skalieren – etwa mit Plattformen, die Umgebungen so scannen, wie es Angreifende täten.“

Was sind die entscheidenden Zutaten für echte Resilienz?

„Man kann nicht alles schützen – also sollte man es gar nicht erst versuchen. Die Strategie ist einfach: die Kronjuwelen identifizieren, die geschäftlichen Auswirkungen eines Ausfalls verstehen und sie mit allem schützen, was wir haben. Doch Schutz allein reicht nicht. Resilienz bedeutet, dass man geplant, priorisiert und trainiert hat. Vollständige Krisensimulationen sollten nicht nur für die IT durchgeführt werden, sondern auch für den Vorstand, die Geschäftsleitung und den Betrieb. Bei echten Vorfällen ist Chaos garantiert. Deshalb ist es wichtig, sich auf Tempo, Klarheit und Koordination vorzubereiten – und auf Security by Design zu drängen. Wenn etwas nicht sicher ist, sobald es die Fabrik verlässt, läuft man für immer hinterher. Regulierung hilft, gerade rund um IoT, aber es gibt noch Fortschritte zu machen.“

Wie gehen Sie die Herausforderung der Komplexität an?

„Komplexität ist der Feind. In global aufgestellten Organisationen mit Altsystemen, hybrider Cloud und Dutzenden Anbietern verliert man leicht die Kontrolle – und wer die Kontrolle verliert, verliert die Sichtbarkeit. Vereinfachung ist der Schlüssel: Kontrollen standardisieren, Architekturprinzipien durchsetzen und unnötige Varianz reduzieren. Komplexität erzeugt nicht nur technisches Risiko, sondern auch operatives und regulatorisches. Sicherheit muss vom ersten Tag an Teil der Architektur sein. Wer sie später anflanscht, macht sie fragil und teuer.“

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Wie verändert und definiert sich die Rolle des CISO aus Ihrer Sicht gerade neu?

„Ein moderner CISO versteht, wie das Geschäft funktioniert, was es antreibt, welche Risiken es tragen kann und wo Sicherheit tatsächlich Wert schafft. Das alte Modell von Security als Bremser funktioniert nicht mehr. Heute sind wir da, um die digitale Transformation sicher zu ermöglichen. Das heißt: dort sitzen, wo Strategie entsteht. Es heißt, Risiko in eine Sprache zu übersetzen, die der Vorstand versteht. Und es heißt, sichtbar, kommunikativ und vertrauenswürdig zu sein.“

Was ist angesichts Ihrer Führungsrolle in der CISO-Community aus Ihrer Sicht entscheidend, um die Zukunft der Cybersicherheit zu gestalten?

„Cybersicherheit ist nicht nur ein Problem einzelner Unternehmen, sondern ein nationales. Und keine einzelne Instanz kann es allein lösen. Wir brauchen Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Staat und Privatwirtschaft. Ein Thema, das mir besonders am Herzen liegt, ist die Förderung lokaler Innovation. Wenn wir uns allein auf globale Tech-Giganten verlassen, setzen wir unsere Souveränität aufs Spiel. Wir müssen in europäische Cybersecurity-Start-ups investieren – nicht nur wegen der Technologie, sondern auch, um eine stärkere Talent-Pipeline aufzubauen. Bei der CISO Platform Nederland habe ich mich auf Strategy & Governance konzentriert, aber auch auf Abstimmung. Je besser wir über Branchen hinweg abgestimmt sind, desto resilienter werden wir als Land. Das ist das große Bild.“

Zum Schluss: Was hat Sie dazu bewogen, Ihr eigenes Unternehmen Dawnguard zu gründen? Herzlichen Glückwunsch!

„Wir haben Dawnguard gegründet, weil Sicherheit von Beginn an Teil der DNA eines Systems sein muss und kein nachträglicher Gedanke. Es geht darum, Anspruch und Wirklichkeit in Einklang zu bringen und Teams die Werkzeuge zu geben, um diesen Einklang schon in der frühesten Phase und lange nach dem Deployment durchzusetzen. Es ist großartig, aktiv ein junges und disruptives Unternehmen aufzubauen, das mit intelligenter, design-first gedachter Sicherheit die digitale Welt sicherer machen will.“

Mahdi, vielen Dank, dass Sie Ihre Vision, Ihre Erfahrung und Ihr Engagement für mehr Sicherheit – für Organisationen wie für die Gesellschaft – mit uns geteilt haben.

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Gewappnet gegen KI-gestützte Angriffe?

„Sicherheit muss vom ersten Tag an Teil der Architektur sein. Wer sie später anflanscht, macht sie fragil und teuer.“

Mahdi Abdulrazak
CEO & Co-Founder of Dawnguard